In der Ruhe liegt die Kraft
Ein Buch über die "Shaolin" schenkt neue
Lebensenergie und Weisheiten
Allein das Lesen von "Shaolin. Das Geheimnis der
inneren Stärke" verleiht
Flügel. Der Ratgeber von Thomas Späth und Shi Yan Bao ist
in neun
Kapitel eingetreilt und eine Schule in Sachen
Gelassenheit, Achtsamkeit
und Toleranz. Jeder hat Probleme zu bewältigen, doch jede
dunkle
Seite hat auch eine helle. Meist grübeln vielen Menschen
über ihre Sorgen
oder regen sich über Dinge im Alltag auf, die sie nicht
ändern können wie
die Verspätung eines Zuges oder die lange Kassenschlange.
Aber nicht
die Situationen sind immer schlimm, sondern was der
Einzelne darüber
denkt. Die Autoren lehren einen, die eigenen Gedanken und
Gefühle
wahrzunehmen und sie zu kontrollieren. Das ist
zugegebenermaßen nicht
einfach. Wer das nicht kann, konzentriert sich auf die
Atmung. Das geht
leichter. Es ist grundsätzlich nicht egal, was der Mensch
denkt. Denn
aus schlechten Gedanken entstehen schlechte Gefühle und
im schlimmsten
Fall Krankheiten. Es erfordert einige Übung, seine
Gedanken zu steuern.
Viele überlassen sich dem Grübeln, anstatt sich an etwas
Schönes wie einen
Sonnenuntergang zu erinnern. Um ins Lot zu kommen,
verweisen die Autoren
auf die Reduktion von Außenreizen. Heutzutage sind die
meisten auf Lärm,
Berieselung durch das Fernsehen und Radio, auf die
permanente Bereitschaft
für E-Mails und soziale Netzwerke gepolt. Manche sind
sogar süchtig nach
Facebook und Co. Diese Mechanismen im Gleichstrom der
Zeit laufen
fast automatisch ab. Aber Bilder von unangenehm
schrecklichen Filmen
abends können den Schlaf negativ beeinflussen und
Albträume bescheren.
Weniger fernsehen, weniger Shoppingtouren, moderate
Internetnutzung,
weniger telefonieren und schlechte Nachrichten
konsumieren, erhöhen die
Lebensqualität. Mehr Kraft für den Einzelnen ist das
Resultat. Auch
Negatives wie Menschen, die nur von Katastrophen reden,
schwächen.
Es ist besser, sich mit positiven Energien zu umgeben,
sofern das steuerbar ist.
Privat wie beruflich gilt es bei Übergriffen, Grenzen zu
ziehen. Um nicht
auszubluten.
Stattdessen sollte sich jeder ab und an mit Hingabe
erfreulichen Dingen
hingeben. Manche haben diesen "Flow, diese totale
Versenkung in eine
Tätigkeit beim Musizieren, Malen oder Fotografieren. Wer
richtigen
Kummer wegen Krankheit, einer Trennung oder einem
Todesfall hat, kann
sich sagen: "Auch dies geht vorbei." Die hohe
Kunst besteht darin, auch
Gutes an schlechten Situationen zu finden. Krisen bieten
Chancen für
einen Neuanfang. Wer warten muss, kann sich in Geduld
üben. Die glücklichsten
Menschen sind angeblich buddhistische Mönche, die
Meditationen für
Wohlwollen und Mitgefühl pflegen. Das zeigten
Computertomografen mit Aufnahmen
des Großhirns. Wenn wir uns und andere mit all den
Schwächen und
Fehlern annehmen, haben wir mehr Zufriedenheit. Ärger ist
meist hausgemacht.
Nicht durch andere, wie oft vermutet wird. Jeder hat eben
andere Werte.
Dadurch nehmen wir die Macht über uns heraus. Wer wenig
erwartet, wird
weniger enttäuscht. Das ist sehr wirksam.
Andern zu helfen ist gut, aber nicht unbegrenzt. Dankbar
sein
für das, was jeder hat, ist auch eine gute Übung für mehr
Zufriedenheit.
Gegen die Sucht und Gier nach mehr. Der Shaolin-Ratgeber
ist eine
kleine Reise in Sachen Lebensweisheit. Flexibel, aber
beharrlich Ziele
erreichen, statt verbissen und hektisch zu kämpfen. Je
mehr sich der Mensch
verkrampft, desto schlechter ist das Resultat. Wie das
Wasser sich seinen
Weg bahnt, so gilt auch für den Einzelnen: Steter Tropfen
höhlt den Stein.
Wer frisch verliebt ist, ist automatisch gelassener. Er
sieht alles durch die
rosarote Brille, lächelt und wird angelacht. Vielleicht
hilft auch diese
Erinnerung, das Leben leichter zu nehmen. Das Buch ist
wie ein guter
Coach. Es tut einfach nur gut.
(c) Corinna S. Heyn
Dr. Thomas Späth/Shi Yan Bao,
Shaolin. Das Geheimns der inneren Stärke.
Gräfe und Unzer 201.
Preis: 14,99 Euro
www.gu.de